Landschaftsgärtnerin und Autorin Martina Meidinger bloggt über Gartenerlebnisse, Pflanzideen und Veranstaltungen für Grünfinger im Großraum München.

Montag, 26. November 2012

Sonntag, 25. November 2012

Neuheiten, Raritäten, Sensationen*

Das Sortiment der hiesigen Gärtnereien und Baumschulen lässt nach meiner Einschätzung kaum Pflanzenwünsche offen. Trotzdem werde ich von meinen Kunden hin und wieder mit Katalogen von Pflanzenversendern konfrontiert, weil sie da was "ganz Tolles" drin gesehen haben und nun meine Meinung dazu hören wollen. In solchen Katalogen haben die Pflanzen nicht nur seltsam grellbunte Farben und gefühlte 5 mal so viele Blüten wie in echt - sie werden auch meistens unter ausgefallenen Namen angeboten, die eine vertrauenswürdige Gärtnerei oder Baumschule niemals verwenden würde. Bisher habe ich das immer für ein Resultat mangelnder Kompetenz gehalten, aber neulich ist mir klar geworden, dass das durchaus Sinn macht. In einem Gartentipp auf einer dieser Affiliate-Seiten (die gerne so tun, als ob sie informative und unabhängige Portale wären) waren nicht wie sonst üblich, die Pflanzenlieferanten direkt im Text verlinkt - was so einen Beitrag gleich nochmal seriöser wirken lässt.
Wenn nun die interessierte Leserin die Namen der empfohlenen Pflanzen in die Suchmaschine eingibt, landet sie trotzdem zielsicher in einem bestimmten Online-Shop und denkt dann vermutlich, sie hat die einzige Gärtnerei weit und breit gefunden, die solche "Spezialitäten" anbietet. Würde man die korrekte Bezeichnung der Pflanze verwenden, hätte man in den meisten Fällen die Qual der Wahl zwischen zig verschiedenen Anbietern, also werden die Bezeichnungen einfach ein bisschen abgeändert. Dafür gibt es zahlreiche Methoden, zum Beispiel:
  • Man baut einfach einen kleinen Schreibfehler ein (was bei den oft seltsam klingenden, botanischen Namen einem Laien sicher nicht auffällt) oder kreiert eine wilde Mischung aus deutschen und botanischen Namen.
  • Man gibt der Pflanze einen zusätzlichen Phantasienamen, den sonst niemand verwendet. 
  • Man ordnet eine Sorte einer anderen Gattung zu, die zwar einen anderen botanischen, aber einen ähnlichen deutschen Namen hat (geht beispielsweise ganz gut bei Vergissmeinnicht, Nelke oder Mohn).
  • Man verwendet veraltete Synonyme des botanischen Namens.
  • Man nimmt eine bewährte Sorte und benennt sie einfach anders.
Dazu kommt noch etwas Bildbearbeitung und schon hat man eine "Neuheit" oder "Rarität" erschaffen und solche Bezeichnungen haben interessante Auswirkungen auf das Kaufverhalten von Gartenbesitzern. Gut beobachten kann man das auch auf den Gartenausstellungen, wo alles, was als neu oder selten angepriesen wird, gerne gekauft oder zumindest ausgiebig bestaunt wird. Immerhin kann man dort vielleicht einen Blick auf die echte Blütenfarbe erhaschen, während an den Bildetiketten oder auf Abbildungen in Katalogen und Online-Shops hemmungslos getrickst wird.
Natürlich gibt es auch Händler, die tatsächlich echte Neuheiten anbieten und die Beschreibungen dazu lesen sich oft so, als hätte man da grade das Rad neu erfunden oder die eierlegende Wollmilchsau unter den Gartenblumen entdeckt. Tatsächlich ist es so, dass viele dieser Neuheiten schon im Jahr darauf wieder in der Versenkung verschwunden sind, weil sie ihre großangelegten Versprechen nicht halten können. Seriöse Gärtnereien führen solche Pflanzen meist deshalb nicht, weil sie ihren Kunden nichts verkaufen wollen, wofür noch keine Erfahrungswerte vorhanden sind. Ein weiteres Ärgernis ist, dass die besagten Pflanzenversender Gewächse als winterhart bezeichnen, die in anderen Gärtnereien höchstens als Kübelpflanze oder einjährige Sommerblume gehandelt werden. Taucht das Pflänzchen dann im Frühjahr nicht mehr auf, schieben viele Hobbygärtner das ihrem angeblich nicht vorhandenen Grünen Daumen zu.
Für Pflanzensammler, die schon alles haben, mögen solche Spezialitäten willkommene Angebote sein. Nicht selten lerne ich aber unerfahrene Gartenbesitzer kennen, deren Garten noch überhaupt kein stabiles Pflanzen-Grundgerüst aufweisen kann, aber jedes Jahr aufs neue mit solchen "Besonderheiten" zugepflastert wird. Die wenigen Pflanzen, die die Gartensaison überleben, entpuppen sich dann oft als völlig unspektakuläre, robuste Klassiker. Beispielsweise ein stinknormaler Storchschnabel - der allerdings unter großem Getöse als "winterharte Geranie" verkauft wurde oder eine als Rarität erworbene "Steinrose", die  komischerweise genauso aussieht, wie die Hauswurz vom Nachbarn, dessen Ableger-Angebote man schon mehrmals ausgeschlagen hat. 
 
Dabei sind es genau solche Pflanzen, die dem Beet eine Struktur geben, die den Gärtner jahrelang treu begleiten und die mit der Zeit immer schöner werden. Der auf den ersten Blick unscheinbare Frauenmantel, der völlig anspruchslos an jedem Platz gedeiht, monatelang mit saftiggrünen Blättern die Pflanzung ziert und dessen gelbgrüne Blütenwölkchen die benachbarten Blumen erst so richtig zur Geltung bringen. Oder die zurückhaltende Buchs-Einfassung, die im Sommer verhindert, dass die ganze Blütenpracht auseinander fällt und im Winter für ein bisschen Grün sorgt. Der standfeste Ziersalbei, die zuverlässige Taglilie oder die gute, alte Pfingstrose gelten nicht umsonst als Grundausstattung für ein gelungenes Gartenbeet. Erst wenn man die Klassiker gepflanzt hat, kann man vielleicht über die Raritäten nachdenken ...aber bitte nicht im Katalog mit den Augenkrebs erregenden Bildchen, sondern lieber in der gut sortierten Spezialgärtnerei!

*Normalerweise gibt es in diesem Blog nur unbearbeitete Fotos zu sehen. Hier habe ich, passend zum Thema, mal eine Ausnahme gemacht ;-)

Dienstag, 6. November 2012

Lesewetter!

Sobald die Gartenmöbel eingeräumt sind, beginnt bei mir die alljährliche Lesezeit. Im Winterhalbjahr gibt es also wieder einige Empfehlungen auf Gartenbuchtipp.de. Den Anfang machen: Gartenkinder von Katja Maren Thiel und Annette Timmermann sowie Landgärten von Evi Pelzer und Karen Meyer-Rebentisch, welche beide nicht nur spannend zu lesen sind, sondern auch visuellen Hochgenuss bieten. Weitere grüne Buchtipps sind in Arbeit - es lohnt sich also, öfter mal dort reinzuklicken. Viel Spaß beim Lesen!