Landschaftsgärtnerin und Autorin Martina Meidinger bloggt über Gartenerlebnisse, Pflanzideen und Veranstaltungen für Grünfinger im Großraum München.

Dienstag, 27. August 2013

Erntefest

Letzten Samstag war es soweit: nach vielen Stunden Feld- und Gartenarbeit konnten wir endlich unser großes Erntefest feiern. Etwa 400 Besucherinnen und Besucher bekamen einen Einblick in typische landwirtschaftliche Erntearbeiten. Wir haben dabei die Entwicklung der letzten 50 bis 60 Jahre Revue passieren lassen, was gerade bei den älteren Leuten viele Kindheitserinnerungen geweckt hat. Die Anwesenden waren eingeladen, sich an den Arbeiten zu beteiligen und einige konnten feststellen, dass sie jahrzehntelang nicht mehr ausgeführte Tätigkeiten immer noch gut beherrschten. Nach dem Einzug zahlreicher alter und neuer Schlepper und Maschinen, die nicht nur aus unserem Dorf sondern auch aus der Umgebung anreisten - ein Großteil davon mit dem Oldtimerfreunden Giggenhausen-Schaidenhausen - ging es auch schon los mit den spannend moderierten Programmpunkten:

Bodenbearbeitung

16 PS Eicher mit Beetpflug
Eine anschauliche Demonstration vom Beetpflug, der hier noch bis in die 1950-er Jahre verwendet wurde, über den bereits sichtlich effektiveren Winkelpflug bis hin zur modernen Bestellkombination, welche Bodenbearbeitung und Aussaat in einem Arbeitsgang erledigen kann. Dazu gab es interessante Informationen über die Geräte und ihre Besitzer, immer mit Hinweisen, in welchen Höfen und zu welcher Zeit die jeweiligen Gerätschaften verwendet wurden.

Zuckerrübenernte

"Halt Abstand in der Rübenzeit, es ist zu Deiner Sicherheit." Mit diesem Merksatz wird alljährlich auf mögliche Verkehrsgefährdung während der Zuckerrübenernte aufmerksam gemacht. Ernte, Transport und Verarbeitung unserer wichtigsten Zuckerpflanze unterliegen nämlich einer straffen Organisation. Sobald die Rübenernte beginnt, arbeiten die Zuckerfabriken rund um die Uhr, weil bei der Zuckerherstellung die dafür nötige Verdampfung und diverse andere Vorgänge nicht unterbrochen werden dürfen und jede Zwischenlagerung der Rüben deren Zuckergehalt mindert. Die Landwirte bekommt also genaue Anweisungen, wann sie ihre Rüben anliefern dürfen bzw. wann diese abgeholt werden. Das erklärt auch, warum bei der Rübenernte wenig Rücksicht auf die Witterung oder die Tageszeit genommen werden kann. Wegen des generalstabsmäßigen Ablaufs der Zuckerrübenverarbeitung spricht man auch von der Rübenkampagne.

Das Zuckerrübenfeld im Fruchtgarten haben wir zunächst von Hand beerntet. Dabei wurden zuerst mit der Köpfschippe die Blätter von den Rüben abgetrennt. Diese können beispielsweise als Viehfutter verwendet werden oder als Dünger auf dem Feld verbleiben. Dann wurde jede einzelne Zuckerrübe mit einem Rübenheber aus dem Boden genommen. Bis zum Ende der 1930-er Jahre, war das die übliche Vorgehensweise. Dann kamen die ersten einfachen Rübenpflüge zum Einsatz. Bei unserem Erntefest konnte so ein älteres Modell ausprobiert werden. Schließlich übernahm ein 6-reihiger Rübenvollernter den Rest der Erntearbeiten. Dieser selbstfahrende Roder erledigt sämtliche anfallenden Arbeitsschritte vom Blätter abschlegeln über das Roden bis zur Reinigung und Verladung der Rüben. Hat uns dieser Vollernter bereits durch seine Größe und Arbeitsleistung beeindruckt, so durften wir noch erfahren, dass es auch 9- und 12-reihige Roder gibt, die aber auf den hierzulande relativ kleinen Anbauflächen kaum verwendet werden.

Rübenvollernter bei Wikipedia

Getreideernte und Gartenführungen

Hier gab es einen Abriss von der Sensenmaht über die ersten Maschinen - Ableger und Bindemäher - bis hin zum Mähdrescher. Das hatten wir ja bereits vor ein paar Wochen geprobt und es hat alles wunderbar geklappt. Beim anschließenden Getreide dreschen mit dem Dreschwagen und der Besichtigung des modernen Getreidelagers am Hof der Familie Häuser konnte ich leider nicht dabei sein, weil ich da noch mit den zahlreichen Garteninteressierten beschäftigt war. Es gab nämlich auch Führungen durch den Bauerngarten und diesmal konnten nicht nur Obst, Gemüse und Kräuter geerntet werden. Wir haben begonnen, die mehrjährigen Gehölze und Stauden auszugraben und in Mintrachinger Gärten umzusiedeln, weil mit dem Erntefest nun auch die Zeit des Bauerngartens zu Ende geht. Wer ein paar Kräuter, Stauden oder Beerensträucher aus dem Fruchtgarten haben möchte, kann sich mit mir in Verbindung setzen oder zur endgültigen Gartenauflösung am 29.09. (Infos folgen) kommen. Weitere Bilder vom Erntefest hier.

Blick aus dem Bauerngarten aufs Feld

Samstag, 24. August 2013

Fotowettbewerb: Bilder aus dem Hortus Insectorum

Nach einer kurzen Sommerpause geht es weiter mit den Beiträgen zu unserem Fotowettbewerb "Bayerische Gartenszenen". Markus Gastl hat uns zwei Bilder aus seinem Hortus Insectorum geschickt. Das Markenzeichen dieses Naturgartens sind die Steinpyramiden.

Dienstag, 6. August 2013

Fenchel-Variationen

Vor ein paar Tagen hat im Fruchtgarten jemand den Gewürz-Fenchel ausgerissen. Vielleicht hat er/sie gedacht, dass dabei eine essbare Knolle zum Vorschein kommen wird und ist dann leider nicht fündig geworden. Vielleicht hatte die Aktion auch andere Hintergründe, aber ich möchte sie zum Anlass nehmen, die Unterschiede bei den Fenchel-Varietäten zu beschreiben. Es gibt beim Fenchel nur eine Art (Foeniculum vulgare), aber davon ein paar Unterarten sowie verschiedenen Sorten. Bei den Gartenformen unterscheiden wir zwischen Gewürzfenchel (Foeniculum vulgare var. dulce) und Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare var. azorikum). Letzterer ist der mit der verdickten Knolle, die allerdings oberirdisch wächst. Sollte an der Pflanze keine Knolle zu sehen sein, handelt es wahrscheinlich um den Gewürzfenchel. Dieser wird etwa 120-150 cm hoch und hat gelbe Doldenblüten. Die Samen werden als Gewürz oder Tee verwendet. In unserem Kräuterbeet stand die dunkellaubige Sorte `Atropurpureum´, welche nicht nur in der Küche, sondern auch in Staudenbeeten als Blattschmuckpflanze verwendet wird. Ein weitere Varietät der duftenden Doldenblütler ist der sogenannte Wilde Fenchel (Foeniculum vulgare var. vulgare).


Unser Gemüsefenchel ist bereits verspeist und die Überreste des Gewürzfenchels habe ich zuhause getopft. Vielleicht erholt er sich ja wieder, aber selbstgeernteten Fencheltee gibt es heuer leider keinen mehr.