Der richtige Zeitpunkt

Heute hab ich den ganzen Nachmittag im Vorgarten gearbeitet, was bei einigen Passanten zu Irritationen geführt hat. In einer Gegend zu leben, in der man sich auch mit wildfremden Menschen über den Gartenzaun unterhält ist ja eigentlich ganz schön, aber wenn das Gesprächsthema die Gartenarbeit ist, dann kann das auch ganz schön anstrengend sein. Die mitteilungsfreudigen Sonntagsspaziergänger waren der Meinung, es sei zu früh, um im Garten zu werkeln. Obwohl man kaum irgendwo so intuitiv und selbstbestimmt arbeiten kann, wie im Garten, ist gerade dieser Bereich voll mit den absurdesten Vorschriften, den sogenannten Gartentipps. Für jeden Handgriff gibt es "optimale" Zeitpunkte und Regeln. Umgraben im Herbst (alternativ: Umgraben auf keinen Fall!), Rosen schneiden zur Forsythienblütezeit, Rasenmähen einmal pro Woche, Rückschnitt im Staudenbeet frühestens Ende Februar, usw. Meine Zaungesprächspartner sind nicht nur Mitte Januar, sondern das ganze Jahr über schwer verunsichert. "Darf ich jetzt schon vertikutieren?", "Wie oft soll ich gießen?", "Wann muss man die Sträucher schneiden?", sind so die üblichen Fragen. Es ist wirklich schade, dass die Gartenarbeit mit so wenig Vertrauen angegangen wird. Der Garten bietet ein prima Experimentierfeld für eigene Erfahrungen und wirklich falsch machen kann man dabei kaum etwas. Müssen, Sollen und Dürfen haben bei mir Gartenverbot und als Berufsgärtnerin  kann ich auch nicht überall gleichzeitig sein. So kommt es, dass ich viele Gartenarbeiten nicht zum "richtigen" Zeitpunkt erledige. Der Garten nimmt das ganz gelassen. Bis jetzt jedenfalls.

Kommentare

  1. Das kommt uns sehr bekannt vor. Als wir eingezogen sind wurden wir gefragt, warum wir die ganzen Umzugskartons auf die Wiese schleppen und ausbreiten :)
    Es hat ein dreiviertel Jahr gedauert bis uns dann geglaubt wurde, das das mal ein Gemüsebeet wird.

    Uns hielt es am Wochenende auch nicht im Haus und haben angefangen im Garten zu werkeln.

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  2. @sorgenlos: Wenn man sich in der Garten-Blogosphäre so umhört, dann hat man den Eindruck, als hätten am Wochenende einige Gärten einen verfrühten Frühjahrsputz abbekommen. Viel Spaß weiterhin im Garten wünscht Dir
    Martina

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  3. Hallo Martina,
    ich wohne in einem kleinen Dorf. Als ich hierher zog, waren die Leute oft verwundert, wenn ich in meinem Garten loslegte.
    Inzwischen haben mich die Leute wohlwollend akzeptiert. Aber ohne längere Diskussionen über den Gartenzaun komme ich kaum über den Tag. Meine Januar-Beetaktion war gar nicht so sehr für den Garten gedacht, sondern für mich. Ich hatte richtig Spaß. Die Nachbarn haben sich inzwischen an meine Arbeitswut gewöhnt und verstehen, dass ich die Beschäftigung mit meinen Pflanzen brauche.
    Liebe Grüße
    Anette

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  4. Liebe Anette,
    ich hab die Zaungespräche glücklicherweise nur, wenn ich im Vorgarten arbeite. Die anderen Gartenteile sind von einer dichten Hainbuchenhecke umgeben. So ein Gespräch zwischendurch ist ja ganz nett, aber irgendwann will ich dann auch mal was arbeiten. Verständnisvolle Nachbarn... ja das ist ziemlich wichtig, wenn man sich viel im Garten aufhält, finde ich.
    Herzliche Grüße von Martina

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  5. Hi Martina,

    ja bei vielen gab´s am Wochenende im Garten was zu tun :) Heut morgen liegt schon wieder Frost auf dem Garten und morgen soll der Schnee zurück kommen.

    Das Garteln in der jetzigen Jahreszeit ist eher für einen selbst als für den Garten ;)

    Weiterhin viel Spass beim buddeln.

    Liebe Grüße
    Andreas

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