Plagiate für Gartenfreunde

Keine Angst, ich werde mich jetzt nicht auch noch über Herrn zu Guttenberg auslassen, das gehört auch gar nicht in ein Gartenblog. Was mich an der Sache aber nervt ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung es anscheinend nicht so schlimm findet, wenn jemand Texte, die er irgendwo abgeschrieben hat, unter seinem eigenem Namen veröffentlicht. Das mag daran liegen, dass diese alles-nicht-so-schlimm-findende Masse vermutlich nicht von einer Autoren- oder Journalistentätigkeit lebt oder ihr Geld mit sonstigen, vom Urheberrecht abhängigen Dingen verdienen muss. Doktorarbeiten lese ich eher selten, dafür aber viele Bücher und Zeitschriftenbeiträge zum Thema Garten. Da empört es mich schon, wenn ich in einer abonnierten Zeitschrift Texte lese, die mir irgendwie bekannt vorkommen. Noch schlimmer, wenn diese Texte gärtnerisch gesehen ein ziemlicher Unfug sind. Das passiert schon mal, wenn der "Autor" wenig Ahnung von der gärtnerischen Praxis hat und zum Abschreiben ein englisches Gartenbuch verwendet, dessen Empfehlungen hierzulande wegen klimatischer Unterschiede nahezu unbrauchbar sind. So geschehen vor ein paar Jahren im Mitteilungsblatt eines gärtnerischen Verbandes. In einem Beitrag ging es um herbstblühende Stauden und Gehölze und ein Teil der Pflanzenbeschreibungen war aus dem Buch Botanica (Hrsg. Gordon Cheers) übernommen, allerdings ohne jeden Quellenhinweis. Ein Tipp darin lautete, Herbstanemonen zur Blütezeit zu kaufen. Das ist natürlich Quatsch, weil gerade bei den Herbstanemonen, wenn diese während der Blütezeit gepflanzt werden, hohe Ausfälle zu erwarten sind. Wenn ich beim Lesen dieser Zeilen nicht gedacht hätte, "diesen Blödsinn habe ich doch schon mal irgendwo gelesen", dann wäre mir vermutlich gar nicht aufgefallen, dass es sich dabei um ein Plagiat handelt.
Mittlerweile bin ich aber skeptisch und sobald mir ein Beitrag irgendwie bekannt vorkommt, gehe ich der Sache nach. Seit ich im Internet unterwegs bin vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht fündig werde. Dieser Text zum Beispiel ist zwar leicht gekürzt aber ansonsten fast wörtlich übernommen aus dem Buch "Gräser im Garten" (Adams/Pelz). Immerhin, die Community in der das veröffentlicht wurde ist mittlerweile geschlossen, aber auf vielen anderen Gartenseiten, in Garten-Blogs oder auch bei Produkt-informationen in Online-Shops ist solches Abkupfern, ohne die Quellen zu nennen, an der Tagesordnung. Ich frage mich, warum Leute, die selber keine Einfälle haben, unbedingt Texte verfassen müssen und ich hätte schon Lust, hier mal meine gesammelten Plagiats-Funde zu veröffentlichen. Leider ist es mittlerweile auch verpönt, auf solche Missstände hinzuweisen (das nennt man jetzt Hexenjagd!), also nehme ich mal wieder erstaunt zur Kenntnis, dass die Menschheit durchaus betrogen werden möchte.

P.S.: Jetzt ist übrigens ein sehr günstiger Zeitpunkt, um Herbstanemonen zu pflanzen (wirklich wahr)!

Kommentare

  1. Ich möchte nicht wissen, wie viele Plagiate unterwegs sind. Meine Diplomarbeit wurde durch eine Plagiatssoftware geschickt, das dauerte etwa einen Tag. Erst dann galt sie als eingereicht und das ganze, bürokratische Prozedere begann zu laufen. Allerdings gibt es diese Überprüfung auch erst seit wenigen Jahren.
    Natürlich hat meine DA die Überprüfung bestanden :)

    lg kathrin

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  2. Moin,

    sehe ich genau wie du! Mich ärgert sowas auch, allerdings habe ich nicht diese Merkfähigkeit,dass ich mir merken würde, wo ich einen abgekupferten Text schon mal gelesen habe. Das Gleiche gilt für das Klauen der Fotografien im blog oder in Foren, das ärgert mich wahnsinnig. Ich würde es verfolgen, wenn ich es mitbekommen würde.

    Kathrin, es gibt also eine Plagiatsoftware. Das ist ja sehr interessant. Schlimm, dass es sowas geben muss!

    Sigrun

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  3. Hallo Martina,
    das www ist eben halt' immer mit Vorsicht zu genießen ;-)
    Und da ich gerade erst Deinen Blog dank Deines Kommentars entdeckt habe, genieße ich Deine Empfehlung mit eben der gleichen Vorsicht. Denn Ihr habt da unten ein ganz anderes Klima als wir. Außerdem hängt es auch stark vom Standort im Garten ab. In geschützteren Ecken bin ich auch mutiger. Aber gestern hat es mich dann trotzdem gepackt. Und die sonnig stehenden Rosen - auch die inzwischen schlacksige Viridiflora, wurden gekappt. Mein Gefühl sagte mir das geht jetzt schon ;-)

    Klar ist es ärgerlich, wenn Bilder und Texte ohne Quellen-Hinweise übernommen werden. Gerade, da dort eventuell wichtige Informationen stehen, die einem sonst entgehen.

    Aber ganz ehrlich, wer davor Angst hat, dass ihm sein kostbares Gut geklaut wird, der sollte sich seine Bilder & Texte heutzutage im stillen Kämmerlein anschauen. Obwohl ich auch der Meinung bin, dass Herkunftsnachweise einfach zum guten Umgangston gehören.
    Liebe Grüße
    Silke

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  4. Da hast du sehr recht, ich finde das auch sehr frech. Das Internet macht s möglich- ganze Passagen zu kopieren und einzufügen ohne Sinn, Verstand und kritischer Analyse... Texte selbst zu schreiben bedarf nun mal eigener Erfahrung und einer Menge Verstand aber wer hat noch Zeit dazu sich Beides zu erwerben? Viele Grüße Annette

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  5. Wunderbarer und treffender Eintrag! An diesem Satz hatte ich besonderen Spaß: "Ich frage mich, warum Leute, die selber keine Einfälle haben, unbedingt Texte verfassen müssen..."
    Diese Frage, liebe Martina, ist absolut berechtigt. Die Antwort ist wohl ganz einfach: es macht vielen Menschen mehr Spaß, sich mit fremden Lorbeeren zu schmücken als selber einen Kranz zu formen. Denn das ist Arbeit. Und wie Annette sagt, braucht es dazu auch Erfahrung.

    Allerdings weiß ich auch, wieviel Freude es macht, auf die eigene Arbeit stolz sein zu können. Und diese Freude entgeht all diesen faulen Plagiatoren. Und irgendwann kommt halt doch das meiste ans Tageslicht.

    Herzliche Grüße
    Renate

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  6. Danke für Eure Rückmeldungen! Mir kommt es manchmal wirklich so vor, als wüssten die Leute nicht, dass man Texte von anderen nicht ohne Rücksprache für eigene Zwecke benutzen darf. Andererseits versäumt es aber kaum jemand, auf seiner eigenen Webseite im Impressum oder in den AGBs genau auf diese Tatsache aufmerksam zu machen.
    @Sigrun: Ich kann mir auch keine kompletten Texte merken. Mir fallen Plagiate hauptsächlich dann auf, wenn da seltsame Begriffe verwendet werden, die man ansonsten nicht so oft liest oder wenn die kopierten Autoren über einen sehr eigenen Stil verfügen.
    Egal, jetzt wünsche Euch allen einen guten Start in die Gartensaison...ääh Renate, gärtnerst Du eigentlich auch? Ansonsten eine schöne Zeit am Schreibtisch :-)
    Liebe Grüße von Martina

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