Das Herbstanemonen-Problem

Gartenzaungespräche drehen sich ja meistens um aktuell blühende Pflanzen. Derzeit werden bei den nachbarschaftlichen Talkrunden gerne unsere Herbstanemonen bewundert und oft kommt dann der Satz: "Mit denen hab ich einfach kein Glück, die gehen bei mir immer ein." Gärtnern ist natürlich keine Glückssache, obwohl uns das der Mythos vom Grünen Daumen immer wieder glauben machen will. Ob eine Pflanzung gelingt, hängt stark davon ab, wie sehr wir den natürlichen Bedürfnissen unserer Pflanzen entgegenkommen.
Anemone japonica 'Prinz Heinrich' mit Rispenhortensie
An erster Stelle stehen dabei die Wahl des Standortes und die Beschaffenheit des Gartenbodens. Herbstanemonen sind in diesen Punkten aber überhaupt nicht wählerisch. Sie werden oft als Schattenpflanzen angeboten, weil sie auch an weniger besonnten Plätzen gut gedeihen. Das heißt aber nicht, dass sie keine Sonne vertragen, allerdings mögen sie dazu etwas feuchtere Böden, wobei der pH-Wert schon wieder nebensächlich ist. Nach meiner Einschätzung hat das Herbstanemonen-Problem vieler Hobbygärtner mit der Unsitte zu tun, Pflanzen ausschließlich zur besten Blütezeit zu pflanzen. Das mag bei den Frühjahrs- und Sommerblühern noch funktionieren (obwohl es auch da nicht optimal ist), pflanzt man aber herbstblühende Stauden in vollem Flor, wachsen sie oft vor der kalten Jahreszeit nicht mehr richtig an und haben dann Schwierigkeiten, über den Winter zu kommen.
Anemone japonica 'Honorine Jobert' mit Samthortensie
Zu den Herbstanemonen zählen mehrere Arten mit vielen verschiedenen Sorten, die auch unterschiedlich empfindlich sind. Anemone tomentosa `Robustissima´ ist wie der Name schon sagt sehr robust und eine Sorte, die eine Herbstpflanzung wohl am ehesten unbeschadet übersteht. Bei den Sorten von Anemone hupehensis oder Anemone japonica ist auf jeden Fall Winterschutz angezeigt, besser noch: man pflanzt sie erst im Frühjahr. Dann wachsen sie nämlich sicher an und erfreuen viele Jahre mit ihren zarten Blütenschalen, die so anmutig im Wind schaukeln.

Anemone hupehensis 'Praecox' mit Deschampsia 'Bronzeschleier'
Damit jetzt keine Missverständnisse aufkommen: für die meisten Gehölze und Stauden ist natürlich der Herbst die günstigste Pflanzzeit. Ausnahmen sind beispielsweise immergrüne Gehölze und herbstblühende Stauden, darunter auch viele Ziergräser.

Nachtrag am 09.09.: Gestern war ich wieder mal richtig schön inkonsequent und habe in der Kunst- und Lustgärtnerei eine Anemone japonica `Pamina´ mitgenommen. Natürlich nur zu Versuchszwecken ;-). Könnte ja sein, dass durch irgendeinen glücklichen Zufall die Herbstpflanzung doch ganz gut klappt.

Da ja gerade wieder unzählige Herbstanemonen-Sorten im Handel sind, möchte ich noch auf die Ergebnisse der Staudensichtung hinweisen. Dabei haben die 3 Sorten, die oben in diesem Post abgebildet sind, jeweils drei Sterne (Bestnote) bekommen. `Pamina´ hat immerhin einen Stern errungen und bei dieser Sorte berichtet die Sichtung auch von Winterschäden. Da bin ich jetzt aber mal gespannt.

Kommentare

  1. Du hast vollkommen recht und ich kann deine Empfehlung nur bestätigen, sie im Frühjahr zu pflanzen und einen leichten Winterschutz zu geben! Damit habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht und hatte nie Probleme mit den Schönheiten!
    LG
    Gesine

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  2. ...und wenn sie den ersten Winter überstanden haben, sind sie ohnehin unverwüstlich (zumindest bei uns im Garten). Schön, dass Du das auch so siehst, liebe Gesine. Das ist so ein Thema, bei dem ich mir langsam vorkomme, wie ein Wanderprediger ;-)

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  3. Die Herbstanemonen sehen wirklich toll aus. Ich habe es ehrlich gesagt mit ihnen noch nie versucht, aber da ich jetzt die Möglichkeit habe ein neues Blumenbeet anzulegen bzw. ein neues Blumenbeet anlegen muss, könnte ich vielleicht ein paar für nächstes Jahr setzen.

    lg kathrin

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  4. Alles gut und schön, solange man nicht zu viele Nacktschnecken im Garten hat. Meine erste traumhafte weiße Whirlwind hatte ich blühend im Herbst im großen Topf gekauft. Die kam gut durch den Winter. Aber im zeitigen Frühjahr fielen die Nacktschnecken über den frischen Austrieb her. Bei der zweiten griffen sie im Herbst sogar den blühenden Topf an. Und auch die schon jahrelang gut eingewachsenen im Land haben jetzt immer mehr Startprobleme wegen der Schleimer. Wenn es Schnecken im Garten gibt, sollten die Herbstanemonen recht sonnig stehen, oder es sollte andere attraktive Pflanzen auf dem Schneckenspeiseplan geben - sonst sind sie futsch ;-)
    LG Silke

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  5. Mit den Anemonen ist das so eine Sache. Mit der Frühjahrspflanzung hast du recht, das habe ich selbst erlebt, dass im Herbst gepflanzte verschwinden. Meine hupehensis im Vorgarten (Halbschatten) wuchert und wuchert, aber wann immer ich sie versuche, hinten im Garten im Schatten unterzubringen, schwächeln sie.
    Ich glaube, das sind eher Pflanzen für den Halbschatten, oder es liegt daran, dass sie im Vorgarten der Platzhirsch sind und sich hinten erst mit anderen Stauden arangieren müssen.
    VG
    Elke

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  6. Also bei mir sind sie bislang noch in jedem Garten bei unterschiedlichsten Böden bestens gediehen. Selbst bei zahlreichen Schnecken damals! Ich hatte aber auch extra Schnecken-Pflanzen für diese Schädlinge angepflanzt, aber nicht extra wegen der Anemonen ;-)
    Im Waldgarten gibt es sogar riesige Felder mit ihnen.

    Liebe Grüße
    Sara

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  7. Jetzt hab ich auch mal nachgeschaut, ob an den Anemonen Schneckenfraßspuren sind - Fehlanzeige. Es hängt wohl wirklich davon ab, welche Pflanzen sonst noch im Angebot sind. In meinem Herbstanemonenbeet ist das Schneckenfutter der Waldphlox, diverse Sorten von Lamium maculatum und einzelne Hostas. Schmecken wohl allesamt besser, als die Anemonen ;-)

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  8. 'Pamina' hat hier (=20km SO Wien) 11 jahre alle winter überstanden, ist aber leider nach dem letzten, der nicht mal sonderlich kalt war, nicht mehr wiedergekommen. Allerdings hatten wir eine ungewöhnlich lange phase mit durchgehener schneedecke (fast 4 wochen), vllt war es das (= wühlmäuse vermehrt aktiv?)

    lg, brigitte

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  9. Die Staudengärtner sagen ja, dass nicht die Kälte, sondern die Nässe im Winter das Problem ist. Mein Anemonenbeet ist zum Glück sehr wintertrocken, aber eine `Whirlwind´ hat sich auch mal im Winter verabschiedet.
    LG Martina

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