Feldarbeit anno 2013

Trotz brütender Hitze haben sich heute einige große und kleine Interessierte im Fruchtgarten eingefunden. Um 11 Uhr ging es los mit einer Führung durch den Bauerngarten und die landwirtschaftlichen Kulturen. Spannend wurde es anschließend, als gleich mehrere Landmaschinen-Oldtimer anrückten. Nun wurde gezeigt, wie man Getreide geerntet hat, als es noch keine Mähdrescher gab.

Der Ableger im Einsatz

Mit dem sogenannten Ableger wurde das Korn geschnitten und neben der Fahrspur abgelegt, wo wir es dann zusammenbinden und aufstellen durften. Früher war das Binden eine traditionelle Frauenarbeit. Als das Getreide noch mit der Sense gemäht wurde, arbeiteten ein Schnitter (das war üblicherweise ein Mann) und eine Binderin meist paarweise zusammen. In manchen Gegenden war es sogar üblich, dass eine Binderin das Material von zwei Schnittern zu Garben binden und diese dann aufsetzen musste. In dem Tempo und durch die damit verbundene Körperhaltung, war das Binden körperliche Schwerstarbeit. Dafür bekam die Binderin etwa halb so viel Lohn wie der Schnitter. Als das Getreide schließlich mit dem Ableger gemäht wurde, waren mehrere Binderinnen nötig, um die maschinell abgelegten Garben zu bündeln und aufzustellen

Der Bindemäher...

...und sein Zugfahrzeug

Mit der Entwicklung des Bindemähers wurden die Binderinnen dann eingespart. Der Bindemäher bindet das Getreide nach dem Mähen selbständig zu Garben und legt diese dann auf dem Feld ab. Ein Meilenstein in der Mechanisierung der Landwirtschaft waren sicher die ersten selbstfahrenden Mähdrescher, die ungefähr in den 50er Jahren in unserer Gegend populär wurden. Wir hatten heute ein Modell der Firma Bautz im Einsatz, welches von Mintrachinger Landwirten zuletzt Ende der 70-er Jahre verwendet wurde.

Der Bautz war über 30 Jahre nicht mehr im Einsatz, hat aber nichts verlernt ;-)

Ernüchternd war dann der letzte Programmpunkt: als ein moderner Mähdrescher in wenigen Minuten ein Arbeitspensum verrichtete, für das wir mit dem historischen Verfahren einen ganzen Nachmittag lang mehrere Leute beschäftigt hatten. Und wir sind noch nicht mal fertig - gedroschen wird unsere Handarbeits-Gerste nämlich erst beim Erntefest am 24. August.

Staubige Angelegenheit...

...aber das Ergebnis überzeugt!

Einen kurzen aber sehr informativen Bericht über den technischen Fortschritt bei der Getreideernte von der Sense bis zum Bindemäher gibt es hier. Schön fand ich, dass bei unserer Aktion auch ein paar Kinder und Jugendliche mitgemacht haben. Einige Erwachsene erinnerten sich an ihre eigene Kinderzeit und besonders an die Qualen des Barfußlaufen im Stoppelfeld - das haben wir dann lieber nicht ausprobiert.

Getreide auflegen

Heutrocknung auf sogenannten Hoanzn

Gemüse aus dem Bauerngarten gab es auch
Die Erntearbeiten sind diesmal unser Beitrag für GRÜNZEUG.

Kommentare

  1. Genau so war's früher. Und ich bin tatsächlich barfuß über die Stoppelfelder gelaufen. Hat gar nicht weh getan ... ;-)

    Liebe Grüße
    Renate

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  2. Na gut, ich werde das Thema in unserer nächsten Gruppenstunde nochmal aufgreifen - als Mutprobe ;) Übrigens waren die Felder früher nicht so stoppelig, weil das Getreide nicht so dicht stand und dünnere Halme hatte. Die heutigen Sorten sind auch deshalb mit den alten Geräten nicht so einfach zu mähen.
    Liebe Grüße zurück!

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  3. Ob ich heute noch barfuß über Stoppelfelder laufen würde ... da hab ich doch erhebliche Zweifel. ;-)

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